Familienhörbuch
Vor zwei Jahren hat für mich ein neues Kapitel begonnen.
Worum es geht? Davon handelt dieser Artikel, der in der Zeitschrift KIEK AN des Deutschen Journalistenverbands Mecklenburg-Vorpommern erschienen ist:
Familienhörbücher – die Stimme überlebt
„Alles, was mir wichtig war, konnte ich mir von der Seele sprechen. Nun bin ich sehr froh, meinem Sohn etwas von mir zu hinterlassen, falls alles ein schlimmes Ende nimmt. Und ein Stück Herz und Seele von mir zu übergeben.“
Nadine (Name geändert) hat gerade ihr Familienhörbuch aufgenommen, ihre Lebensgeschichte erzählt. Als Audiobiograf durfte ich sie dabei begleiten. Viermal haben wir uns bei ihr zu Hause getroffen. Nadine ist schwer erkrankt. Ungewiss, wie lange sie noch für ihren kleinen Sohn da sein kann.
Weit über 600 solcher Familienhörbücher sind seit 2017 entstanden. Lebensverkürzend erkrankte Mütter oder Väter erzählen für ihre kleinen oder heranwachsenden Kinder. Rund 100 Audiobiografen und Sounddesigner arbeiten deutschlandweit für die Familienhörbuch gGmbH mit Sitz in Köln.
Durch einen Zeitungsartikel bin ich auf das Projekt aufmerksam geworden. Das war vor vier Jahren. Begeistert hat es mich von Anfang an. Vielleicht, weil ich mir selbst nach dem frühen Verlust meiner Eltern oft wünschte, es hätte so ein ganz besonderes Hörbuch auch für mich gegeben. Und ich war nicht ganz unerfahren auf dem Gebiet. Seit 2006 habe ich biografische Hörbücher für Privatkunden produziert, als zweites Standbein neben der Arbeit als Radiojournalist.
Vor zwei Jahren bekam ich die Möglichkeit, in Bonn an einem einwöchigen Kurs teilzunehmen, organisiert von der Familienhörbuch gGmbH und der Akademie für Palliativmedizin am dortigen Helios Klinikum.
So begann meine Arbeit als Audiobiograf. Das sind sehr bereichernde Begegnungen, die ein Gefühl vermitteln für das, was wirklich zählt im Leben. Ähnlich, wie es oft Menschen berichten, die als Begleiter im Hospizdienst unterwegs sind.
Nicht selten fließen Tränen bei diesen Aufnahmen. Aber nicht Krankheit und Verlust stehen im Mittelpunkt, sondern die Fülle des gelebten Lebens.
Nach dem Tod des Elternteils begleiten die Hörbücher die verwaisten Kinder und Familien und unterstützen eine gesunde – aktive und selbstbestimmte – Trauerbewältigung.
Fachleute schätzen das Familienhörbuch als sehr wertvolles Angebot. Das konnte ich erleben, als ich gebeten wurde, das Projekt auf einem Symposium der Psychoonkologen Mecklenburg-Vorpommerns vorzustellen.
Im Durchschnitt sind die Hörbücher gut 6 Stunden lang. Meist wird chronologisch erzählt. Zu jedem Kapitel gibt es einen Musiktitel, von den Teilnehmer:innenausgewählt. Die Sonddesigner binden Geräusche oder zeitgeschichtliche O-Töne ein. Manche Teilnehmer:innen lesen für ihre Kinder Geschichten vor oder singen Lieder.
Die Idee für diese besonderen Hörbücher hatte die Medizinjournalistin Judith Grümmer. Sie ist auch Geschäftsführerin der Familienhörbuch gGmbH.
Im vergangenen Jahr wurde Judith Grümmer mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Das ist nur eine von vielen Auszeichnungen, die sie und das Projekt inzwischen bekommen haben.
Für die Projektteilnehmer:innen sind die Hörbücher kostenlos. Finanziert werden sie über Spenden. Etwa 100 Stunden Arbeit stecken in jedem der professionell gestalteten Hörbücher. Für wie viele weitere Hörbücher der jeweilige Spendenstand reicht und welche Spendenmöglichkeiten es gibt, auch darüber informieren die website ‚familienhoerbuch.de‘ oder der Instagram-Kanal ‚das_familienhoerbuch‘.
Das Familienhörbuch ist ein Zukunftsgeschenk für die Kinder. Aber nicht nur. Nadine hat mir gesagt, die Aufnahmen hätten ihr selbst inneren Frieden gebracht. Und das, finde ich, ist sehr viel für einen Menschen in ihrer Situation.
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Und auch das NDR-Nordmagazin hat inzwischen über das Familienhörbuch berichtet:
https://www.ardmediathek.de/video/nordmagazin/nordmagazin-oder-13-10-2025/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjM3MDgxNV9nYW56ZVNlbmR1bmc
(Ab Minute 16)
Mehr über das Projekt (und Spendenmöglichkeiten) hier: https://familienhoerbuch.de